Startseite Veranstaltungen im Rückblick "Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2013

"Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2013

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Kulturpfingsten 2013

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Die Lahrensmühle wird an Pfingsten zum Kulturmekka

Von Barbara Bross (Leonberger Kreiszeitung 18.05.2013)

Leonberg Vom 18. bis 20. Mai gibt es bei der Veranstaltungsreihe Flycycles, Jazz, Liebespost und Italo-Charme.

Die Lahrensmühle, Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt, bietet über die Pfingsttage ein weiteres Mal Kunst, Musik, Theater und Kabarett. Pfiffige Unterhaltung, seelenvolle Liebespoesie, surrealistisch-schräge, verfremdete und märchenhafte Bilder eines Leonberger Künstlers und die bewährte Kombination aus Jazz und Lyrik: all das ist am langen Wochenende von Samstag, 18. Mai, bis Pfingstmontag, 20. Mai, in der Lahrensmühle im Glemstal an der Kreuzung der Gebersheimer Strasse und "In der Au" zu erleben.

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"Flycicles“, mit Filzsift auf Drachenseide gemalte Fahrräder, schwungvoll verfremdete Motorräder, mit Kohle auf Sandpapier gemalt, eine „sechszylindrische Zeitmaschine“, die zwei schlangenhafte Füchse zeigt, die sich über einem Fliegenpilz und sechs ordentlich-grafisch angeordneten Maulwurfgängen an einem Birkenstamm hinunterringeln, aber auch von Aufenthalten in Madagaskar inspirierte Acrylbilder, die mit Anklängen an Aboriginie-Kunst einen Koboldmaki, Lemuren oder gleich den Papst als verschmitzt gespreizten Luxusvogel zeigen: Die Kunst von Marcus Dreisigacker ist so vielfältig wie seine Themen und Techniken es sind. Er hat schwarz-grau-weisse Aquarelle mit Tusche im Gepäck, die voller märchenhaft-skurriler Motivik schnell skizziert wirken, aber auch hintergründige "Kissenkunst“, die er am PC so weiterbearbeitet, dass die Ergebnisse wie farbenprächtig-sakrale Kirchenfenster wirken.

Fotos und Päpste

Dreisigacker lässt mit Hilfe von Fotoapparat und PC aus Alltagsobjekten wie etwa altdeutschen Spielkarten, schottischen Kilts oder Teilen von Zentralheizungen kleinformatige Arbeiten auf Aluminium entstehen, deren schlichter Ursprung im reizvollen Kontrast zum kunstvollen Endergebnis steht. Der gelernte Reprograf, 1969 in Stuttgart geboren, hat in Ditzingen und Höfingen die Grundschule besucht und als Teenager gemeinsam mit drei anderen Schülern in der Höfinger Volks- und Raiffeisenbank in einer ersten Ausstellung seine Höfingen-Motive gezeigt. Er hat einige Jahre in China gearbeitet und seine Arbeiten nicht nur dort und in Deutschland, sondern auch in Miami, Caracas, London, Paris und Amsterdam gezeigt. Jetzt lebt er in Weissach und ist dank der Galeristin Irmgard Heyd mit einem Querschnitt seiner Arbeiten der vergangenen 13 Jahre zurück in die alte Heimat gekommen. Seine Arbeiten können am 18. Mai zwischen 18 und 20 Uhr bei freiem Eintritt angeschaut werden, an den beiden folgenden Tagen zwischen 10 und 20 Uhr.

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"Alles halb so wild“ heisst es am Samstag, 18. Mai, um 19 Uhr, wenn Heinrich del Core mit seinem „Best of der letzten Jahre“ die Bühne in der Lahrensmühle stürmt. Bei ihm treffen das mütterlicherseits erworbene Schwäbisch auf den vom italienischen Papa geerbten Italo-Charme, wenn er in seinem schlitzohrigen Programm aus dem Innenleben seiner Familie erzählt.



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Freunde des lakonischen Meisters der Kurzgeschichte, Anton Tschechow, dürften am Sonntag, 19. Mai, auf ihre Kosten kommen, wenn von 19 Uhr an die Schauspieler Sibille Klepper und Otto Seitz sich unter dem Titel "Hund erwartet Mönchspriester“ in drei Szenen mit der Liebe des russischen Autoren und seiner Frau Olga Knipper befassen. "Die Medizin ist meine gesetzmässige Frau“, hat der studierte Arzt einmal gesagt, während die Literatur seine Geliebte sei. Erst wenige Jahre vor seinem Tod hat er die Schauspielerin Olga Knipper kennengelernt. Das Paar war fünf Jahre verheiratet, hat jedoch wegen der Tuberkuloseerkrankung Tschechows fast immer getrennt leben müssen. So gibt es eine Unzahl von Briefen, aus denen Sibille Klepper, Otto Seitz und Regisseur Bernd Köhler die berührendsten ausgesucht haben.

Sibille Klepper hat schon als Achtklässlerin den Einakter "Bär“ von Tschechow einstudiert und während ihrer Theaterpädagogik-Ausbildung den Briefwechsel von Tschechow und Knipper für sich entdeckt – und dabei bemerkt, dass Knipper und sie selbst einiges verbindet: Beide waren sie Musikerinnen, die sich ihr Theaterstudium mit Musikstunden verdient haben. Besonders berührt haben die Schauspielerin Klepper der liebevolle Humor Tschechows und die Tatsache, dass Olga Knipper, die ihren Mann um 55 Jahre überlebt, aber nie wieder geheiratet hat, Briefe auch noch an ihren toten Mann weitergeschrieben hat.

Den Kulturreigen beschliessen wird mit Jazz und Lyrik das "Phon B Quartett“ am Montag, 20. Mai, mit Beginn um 18 Uhr. Bernd Settelmeyer an der Steeldrum, Kurt Holzkämpfer am Bass, Harald Schneider an Saxofon und Bassklarinette sowie Nicolas Schulze an Klavier und Akkordeon wollen Kinderlieder aus unterschiedlichsten Kulturkreisen interpretieren, indem sie sie in ein neues Licht rücken. Versprochen wird Musik für große Kinder auf einem jazzigen Abenteuerspielplatz.

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Samstag 18. Mai

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"Alles halb so wild" - best of der letzten Jahre

Heinrich del Core, Träger verschiedener Kleinkunstpreise, hat italienische Wurzeln, spricht aber das mütterlicherseits erworbene Schwäbisch. Sprachwitz und eine augenzwinkernde Show gehören zu den Zutaten, mit denen Heinrich Del Core sein Lachmuskel-Training würzt. Sein zauberisches Schwabenprogramm und sein schlitzohriger Charme kommen beim Publikum jedenfalls bestens an. Die Jury, die ihm den Kleinkunstpreis Banden Württemberg 2005 verlieh, lobte Heinrich Del Core in der Laudatio dabei als „wirkliches Multitalent, der mit Zauberei und Comedy, Mimik und Gestik konsequent sein Ziel im Publikum verfolgt: es lacht und lacht und lacht. Das beginnt schon, bevor Heinrich Del Core den Saal betritt: Riesiger Beifall empfängt ihn, den er bescheiden abwehrt: »Grüß Gott, Sie brauchet no net zu klatsche, i hab doch noch gar nix g’macht!«

"Klaus Heinrich del Core“ — sein Name weist eindeutig auf seine italienische Herkunft aus dem Süden Italiens hin — erzählt in amüsanter Weise aus dem Innenleben seiner Familie: Davon, dass der Vater die „Ministranten“ als die weibliche Form von „Minestrone“ verwechselte oder ob vom Italienurlaub — „andere durften im Sommer in die Ferien fahren, wir mussten immer sechs Wochen nach Italien“. Er erlebe seine Geschichtchen wirklich, gesteht Del Core hinter vorgehaltener Hand. Die alltäglichen Dinge sind es, die den Schwaben beschäftigen. Das Lachen über seinen Dialekt regt ihn auf, wo doch Formulierungen wie "kommet, mir ganget" oder "fahr môl langsam schneller" ganz und gar nicht lächerlich seien. Übrigens: Die Schwaben haben ja auch eine eigene Grammatik. Die Kinder lernen in der Schule, im Schwäbischen gibt es drei Fälle: "Akkusativ, Nominativ und Definitiv.“ Und es gibt fünf Zeiten. Der Schwabe sagt: "I mach, i han g’macht, i han g’macht ket, i fang an zu mache und ma sot.“ Dieser Mann versteht sein Handwerk - besser muss es heißen: "Mundwerk“.

Veranstalter   Leonberg


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Wenn Rottweiler Schwäbisch auf Bella Italia trifft

Von Rainer Enke (Leonberger Kreiszeitung 21.05.2013)

Leonberg Der Lulturpfingsten in der Lahrensmühle lockt am Wochenende wieder das kulturinteressierte Publikum. Der deutsch-italienische Kabarettist Heinrich del Core begeistert mit seinem Programm "Alles halb so wild".

Adrett in schickem Sakko, weißem Hemd und gepflegten Jeans steht er am Samstagabend beim Kulturpfingsten auf der Bühne in der restlos ausverkauften Lahrensmühle, und hat mit seinen dunkelblonden Haaren und dem eher hellen Teint eigentlich wenig Italienisches an sich. Und wenn er den Mund aufmacht und spricht in seinem Best-of-Programm "Alles halb so wild", hört man das, etwas raue Rottweiler Schwäbisch. Dennoch, der Vater des Zauberers, Entertainers und Kabarettisten Heinrich del Core ist im Jahr 1959 als so genannter Gastarbeiter aus Apulien nach Rottweil gekommen, seine Mutter ist waschechte Schwäbin.

Er liebt beide seiner Wurzeln, das merkt man. Und was sich liebt, das neckt sich, und zwar sprachlich, inhaltlich und gestisch. Wenn er den Italiener gibt, und dazu den typischen Deutsch-Slang mit Sonnenbrille und offenem Hemd mit goldenem Kreuz und viel Brusthaar garniert, wirkt er auch hier total authentisch. Herrlich, wie er seinen Vater imitiert, der auch heute noch sagt: "Die Reife' von die Auto" oder "Gras mit Strom" anstatt Brennnesseln.

Dies nimmt er liebevoll aufs Korn, ebenso, wie der Vater die Mutter beim Tanztee mit einem Zaubertrick für sich gewinnen konnte: Einen Löffel ohne Hände im Mund um 360 Grad herumdrehen, um dann eine Gabel heraus zuziehen. Solche und weitere verblüffende und gut gemachte Zauberei baut Heinrich del Core geschickt in seine Sketche, in denen er immer selbst Erlebtes verarbeitet, mit ein. Früher trat er als Heini Öxle auf, hatte viel Erfolg als Zauberer.

Und dann kam er vor rund 50 Jahren bald nach der Hochzeit zur Welt. "Als Frau eines Italieners wird man schnell schwanger", kommentiert er dies. Beruflich führte ihn sein Weg auch in den Mund - als Zahntechniker. Und die Erfahrungen aus diesem Gewerbe spielt er zuckend und sich windend im Zahnarztstuhl wirklichkeitsgetreu nach. Er erzählt Gruselgeschichten von Spritzen und Bohrern, dargestellt mit einem Spielzeug-Akkuschrauber, schmerzhaften Vitalitätsprüfungen und imitiert perfekt das taube Gefühl im Mund in Mimik und Gestik. Vor Schmerz krallt er in die Schenkel, aber "leider" sind es die der Zahnarzthelferin. Kann passieren.


Konstruiert hat er eine Gebisszange, eine Spaghettizange mit einem künstlichen Gebiss daran, mit der man sich beim Grillen, beim Kartoffelsalat-Schöpfen oder beim Backen von "Ausstecherles" allerhand Vorteile verschaffen kann.

Dass moderne Autos immer komplexer werden, belegt ein "Laderaummanager" im Kofferraum, Standard sei fast schon eine Mittelarmlehne. "Aber wer hat denn einen Mittelarm?", fragt del Core hintersinnig. Oder wenn jemand mit seinem Skisack prahlt antwortet er: "Von einem Tennisarm habe ich schon gehört!"

Es sind auch diese kleinen frivolen Sentenzen, die das Programm rund laufen lassen, ohne dass es ins Obszöne abgleitet, dank deren Kürze und des Charmes von Heinrich del Core. Dass man sich beim Hausbau an einen Kran, der vom Pleite gegangenen Bauunternehmer im Garten 18 Monate stehen gelassen wird, durchaus gewöhnen kann, führt nach dessen Versteigerung beinahe zum Ehekrach.

Der grösste Plot ist die Geschichte, als er mit seiner Frau von Rottweil zum Flughafen nach Stuttgart fährt, um nach Shanghai zu fliegen. Ab da hat er einen Auftritt auf einem Kreuzfahrtschiff, „mit einem Altersdurchschnitt um die 70 Jahre, weil es billiger ist, als jedes Pflegeheim, und wund liegen gibt's dort auch nicht", wie er feststellt. Der übliche Toilettenhalt an der Raststätte Schönbuch führt in die „Sanifair-Anlage", wo ein Ticket 70 Cent kostet.

Allerdings verbleibt ein Verzehrguthaben von 20 Cent auf der Karte, das erzählt Heinrich del Core ganz penibel. Darum sammelt er diese Kärtchen, und bittet das Publikum um weitere uneingelöste. Tatsächlich bekommt er fünf Stück, und fügt sie seiner "Sammlung, etwa 15 Zentimeter gebündelt, hinzu. "Irgendwann kaufe ich den ganzen Laden" stellt er grimmig fest.

Am Flughafen muss er für die überbuchte Maschine noch 90 Euro für das Übergepäck seiner Frau bezahlen, und da er neben dem überbreiten Mann im Nebensitz kaum Platz findet, wird er auf den Notsitz für die Stewardessen neben den Klos verbannt - und das für zwölf  Stunden. Dort nickt er bald ein, aber automatisch legt ihm jeder Toilettenbesucher einen Obolus in den Schoss. "Bei der Ankunft hatte ich die 90 Euro wieder zusammen", freut er sich.

Ein schwungvolles Programm aus zwei Welten, mit Dialekt- und Wortwitz, hat Heinrich del Core präsentiert, aus dem prallen Leben gegriffen, ohne allzu sehr zu überspitzen, da bleibt manche Situationskomik in den Köpfen sicherlich hängen.


Sonntag 19. Mai

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"Hund erwartet Mönchspriester"

eine theatralische Annäherung an die ferne Liebe von Olga Knipper und Anton Tschechow

Der Schriftsteller Anton Tschechow und die Schauspielerin Olga Knipper  lernten sich 1898 bei den Proben zur Möwe im Moskauer Künstler-Theater kennen. Ihre Liebe und spätere Ehe, währte nur fünf Jahre, von denen sie die meiste Zeit wegen Tschechows  TBC getrennt lebten. Die missliche Lage des Getrenntlebens schuf für die Nachwelt ein Werk von mehreren Hundert zärtlichen Liebesbriefen. Tschechow starb schon 1904 in Badenweiler. Olga Knipper überlebte Anton Tschechow um 55 Jahre. Sie hat nicht wieder geheiratet.

Sibille Klepper und Otto Seitz ist es gelungen, diesen Briefen voll zarter Poesie, feinsinnigem Humor und musikalischem Zauber mit Ihrem Spiel in faszinierenden Wendungen sehnsüchtiges Leben einzuhauchen. Ein Muss!

Regie: Bernd Köhler

Veranstalter  Leonberg


Samstag 18. Mai / Sonntag 19. Mai / Montag 20. Mai

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Ein Künstler zu Gast in der Lahrensmühle

Gemeinsam mit der Gallery Irmgard Heyd präsentierten wir in der Lahrensmühle eine Ausstellung von und mit Marcus Dreisigacker

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Schon in frühester Kindheit entwickelte Marcus Dreisigacker seine Leidenschaft für die Malerei. Bereits im Alter von 10 Jahren begeisterte ihn der Photorealismus und er zeichnete hauptsächlich mit Tusche und Kohle. In dieser Zeit stellte er seine Werke auch schon der Öffentlichkeit vor. Seine erste Ausstellung hatte er zusammen mit drei weiteren Schülern in der Volks- und Raiffeisenbank in Leonberg-Höfingen, wo er Motive von Höfingen in Kohle zeigte.

Seine Vorliebe für ausdrucksvolle Farben, wie sie auch in seinen heutigen Werken zu finden sind, begann erst im Alter von 16 Jahren. Es entstanden Werke wie Linolschnitte, biomechanische Bilder aus Tusche, großflächige Bilder aus Acryl, sowie Wandmalereien in Privathäusern. Später entdeckte er seine Neigung zum Surrealismus. Es war aber eher die Art zu denken, die Exzentrik und Schizophrenie dieser Kunstepoche, so Dreisigacker, die ihn faszinierte.

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Marcus Dreisigacker ist ein nach Zusammenhängen und Entwicklungen Suchender. Er lässt sich von dem anscheinend realen und oberflächlich sichtbaren nicht ablenken. Analytisch, vorsichtig, hintergründig, humorvoll, manchmal auch zynisch, aber immer wach, beobachtet er seine Umwelt. Dabei ist er nicht oberflächlich, sondern interessiert sich für das kleinste Detail und das anscheinend Nebensächliche. Er sucht nach Ursprüngen und Seele.

Mit seinen Ausstellungen ist er nicht nur in Deutschland präsent, sondern auch international z.B. in Miami, Caracas, London, Paris, Amsterdam wie auch in China, wo er einige Jahre verbrachte.

Text Irmgard Heyd


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Dem Erbgut des Menschen dicht auf der Spur

Von Rainer Enke (Leonberger Kreiszeitung 21.05.2013)

Leonberg Mit Surrealismus und der Suche nach Ursprüngen überzeugt  der Marcus Dreisigacker in der Lahrensmühle.

Ein Suchender ist der heute in Weissach lebende multimediale Künstler Marcus Dreisigacker. Er sucht in seinen Werken nach Zusammenhängen, nach Ursprüngen. Er sucht und findet sie seiner Umwelt, segmentiert Dinge heraus, verändert sie. Er lässt andere subjektive Blickwinkel zu, kombiniert vieles wieder neu. So erschafft er einen ungewöhnlichen Kontext, den es zu ergründen gilt. Dazu hatten die Besucher des Kulturpfingsten von Freitag bis Montag in der Lahrensmühle reichlich Gelegenheit, in einer Ausstellung, die von der Gallery Irmgard Heyd zusammengestellt wurde.

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In seiner Kindheit lebt der heute 44-Jährige unter anderem in Höfingen, wo sich seine Leidenschaft für die Malerei schon im Kindergartenalter entwickelt. Fotorealistische Zeichnungen in Kohle und Tusche von typischen Höfinger Ortsmotiven waren so gut gelungen, dass er mit anderen Schülern bereits im Alter von zehn Jahren dort seine erste Ausstellung hat.

Die Ausdrucksmöglichkeiten intensiver Farbgebung entdeckt Marcus Dreisigacker im Alter von 16 Jahren für sich, seither hat er sie weiter entwickelt und manifestiert. Auch Linolschnitte sind anfangs dabei, "biomechanische" Bilder aus Tusche, großflächige Acrylmalereien, sogar Privathäuser gestaltete er mit Wandmalereien.

Schliesslich findet er den Weg in den Surrealismus, dessen Ambivalenz und Exzentrik ihn bis heute reizen, und ein schier endloses künstlerisches Betätigungsfeld bieten. Hier kann er seiner weit greifenden Fantasie und Kreativität ungehindert freien Lauf lassen. Dass er zudem auch Animationsfilme erstellt, passt durchaus zu diesem Multitalent.

Ein Thema von Marcus Dreisigacker ist klar skizziert: Alles hat seinen Anfang im "Erbgut" einer DNS, die sich in "Samen" von nichtbiologischen Objekten befindet - eine spannende gedankliche Facette der Schöpfung. So etwa in den großen Dreiteilern "Norton DNS", Ocker und Grau, stilisiert in schwarzen Linien mit Kohle und Kreide auf riesigen Industrieschleifpapieren aufgetragen, so wird ein "totes  Objekt" wie etwa ein englisches Norton-Motorrad, zum Leben erweckt.

Die Samenkapseln sind aufgeschnitten, Teile des Bikes wirken silhouettenhaft gefaltet, andere Elemente davon finden sich in vielen Einzeldarstellungen wie zufällig wieder. Dem gegenüber korrespondieren in gleicher Manier die "Fly-Cycles", Fahrräder im Werdevorgang mit Fettstift auf Drachenseide aufgetragen, luftig, transparent und beleuchtbar. Dazu passt auch die mehrteilige Installation "Universal Springpod" (Springhülse). Individuen, auf hauchdünner Gaze fein gemalt, eingeschlossen in Plexiglaskugeln, geben ihre Erb-Informationen an die sacht über ihnen schwingenden Wimpel gross sichtbar weiter.

Eine "Sechszylindrische Zeitmaschine" stellt bildhaft die Jahreszeiten dar: Zwei Rotfüchse`winden sich um Stämme, als würden sie mit den im Erdreich darunter in zwei symmetrischen Dreierreihen verharrenden Maulwürfen kommunizieren. "Auch wegen der teils kindlichen Farbgebung teilt sich die Thematik nicht sofort mit", sagt Dreisigacker. Aber ein Anflug von Humor und Sarkasmus hinter dem Ernsten und Tatsächlichen schimmert gelegentlich durch: So ist etwa der „Red Pope", der Rote Papst (Johannes Paul II.) eher ein Hahnengesicht, umgeben von rotem Prunk.

Am Computer lässt Marcus Dreisigacker fotografierte Elemente, etwa von Spielkarten, bearbeiten, verändern und wieder neu, mathematisch berechnet, zusammensetzen, so dass mitunter auch optisch wie farblich schöne, geheimnisvolle amorphe Fraktale entstehen.


Montag 20. Mai 18.00

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"von draussen"

Jazz und Lyrik in der Lahrensmühle

Erweitert um den Akkordeonisten und Pianisten Nicolas Schulze interpretiert das Phon B Quartett Kinderlieder aus unterschiedlichsten Kulturkreisen. Musik von erstaunlicher Vielfalt: Wiegenlieder, Reigentänze in ungeraden Metren, Kinderlieder in heller, manchmal auch unerwartet dunkler Stimmung. Alle erhalten ein neues Gewand und werden vom Phon-B-Quartett in ein interessantes und neues Licht gerückt. Unverhoffte Bilder schimmern hinter einfachen Melodien und manche Untiefe eröffnet sich in scheinbar Bekanntem. Ein spannender und kreativer Ausflug in eine stimmungsvolle Klangwelt. Musik für große Kinder auf einem jazzigen Abenteuerspielplatz!

Bernd Settelmeyer (Steeldrum)
Kurt Holzkämpfer (Bass)
Harald Schneider (Saxofon, Bassklarinette)
Nicolas Schulze (Akkordeon, Piano)

Veranstalter  Warmbronn


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Kinderlieder kommen leicht im jazzigen Gewand daher

Von Rainer Enke (Leonberger Kreiszeitung 22.05.2013)

Leonberg Das "'Phon B Quartett" beschliesst das Kulturpfingsten in der Lahrensmühle mit einem eindrucksvollen Auftritt.

Auch die Christian-Wagner-Gesellschaft hat mit ihrer Reihe "Jazz und Lyrik" als Abschluss zum Gelingen des Kulturpfingsten in der ausverkauften Lahrensmühle am Montagabend beigetragen. "Von draussen" heisst das aktuelle Programm des Jazz-Ensembles "Phon B Quartett", das ergänzt und bereichert wurde von Wagner-Texten, die Felix Muhle professionell vorgetragen hat.

Die Gruppe "Phon B", das sind alles studierte, hochklassige Jazzmusiker, die mit frischen Improvisationen und perfektem, fantasievollen Zusammenspiel überzeugt haben. Harald Schneider spielte die Saxofone von Tenor bis Sopran, Nicolas Schulze zeigte seine Vielseitigkeit mit dem Akkordeon und am Keyboard. Kurt Holzkämper entlockte dem E-Bass und Kontrabass erstaunliche Töne. Und ein pralles rhythmisches Fundament legte schliesslich dazu Bernd Settelmeyer an Schlagzeug, Percussion und Steel-Drum.

Kinderlieder aus aller Welt haben die Vier in ihrem Programm völlig neu und überraschend interpretiert, so dass die Reigentänze, Wiegenlieder und neckischen Weisen im jazzigen Gewand daherkamen - ein Vorhaben, das nur exzellente Musiker so bruchlos meistern können.

Das erste Wagner-Gedicht "In der Veitenmühle", so hiess die Lahrensmühle früher auch, war eine Hommage an die scheinbar stehen gebliebene Zeit im Jahr 1900 und an den inzwischen renommierten Veranstaltungsort. Mit weichem, fliessendem Sound stiegen die Musiker nach der Lesung ein, Tenorsaxofon und Akkordeon sponnen die Melodie lyrisch fort, und in den Soli gaben das Akkordeon, der Kontrabass und das Saxofon gleich ihre musikalische Visitenkarte ab. Eine eingängige Melodie hat das Kinderlied "Horch, was kommt. . ." mit einer langsamen Saxofon-Einleitung, mit der sich Harald Schneider aber nicht lange begnügte. Sondern er zerlegte das Stück massgeblich mit schnellen und beinahe wilden Läufen, verklausulierte es damit immer mehr. Und filetierte es zusammen mit den anderen rhythmisch in seine Einzelteile. Eine an sich einfache Melodie wurde in all ihrer Komplexheit in spannende Klangwelten verwandelt.

Dennoch fanden die Musiker in kleinen Passagen so "beinahe zwischendurch" auch immer mal wieder zur Grundmelodie zurück, was den akustischen Kontrast nur noch verstärkte. Einige Beispiele dafür? "Der kleine Prinz" etwa war eine Komposition des Bassisten Kurt Holzkämper, die ruhig, beinahe verträumt mit viel Besen am Schlagzeug begann, geschmeidig im Kontrabass, wozu dann auch die Steel-Drum von Bernd Settelmeyer beinahe karibisches Flair verbreitete.

Virtuos "tupfte" Holzkämper die Saiten seines Kontrabasses, zupfte sie aber auch wie bei einer Gitarre, so dass flirrende Akkorde durch die Lahrensmühle schwebten - mystisch beinahe. Und in anderen Stücken sang er die Melodie bei seinen engagierten Soli mit, wenn es ganz gut war. Ein fantasievoll heraus  gespielter Jazz-Klassiker ohne das Harmonieinstrument Keyboard war in Triobesetzung die "Freedom-Suite" von Sonny Rollins, die sich im rhythmischen Wechsel beinahe von selber voran trieb.

Bei der Komposition "Der einsame Hund" von Kurt Holzkämper legte Nicolas Schulze dann ein langes, grandioses Keyboard-Solo hin, das mit seinen rasenden, gebrochenen Harmonien die Zuhörer beinahe atemlos zurück liess. Und noch ein Highlight: Ein Kinderlied aus Uganda gab sich fein ziseliert mit extrovertierten Rhythmen authentisch, dem bulgarischen Kinderlied "Das blaue Meislein" entlockte Harald Schneider dem Sopransaxofon mehr als nur Vogelstimmen. Dass sich auch das Film-Kinderlied „La Le Lu" als knackiger Jazz gut anhörte, war ein gelungener Abschluss eines Abends für alle Sinne.